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St.Galler Tagblatt – Löcher und Preise im Fokus

31. 10. 1998

 
St.Galler Simon Oberli filmt erfolgreich. Sein Bett trägt schwer an den Kulissen, Pult und Boden sind übersät mit Kabeln, Werkzeugen und Bastelmaterialien, im Bücherregal steht Filmzeitschrift an Filmzeitschrift, von den Wänden grüsst Hollywood. Simon Oberli zieht die Vorhänge zu und drückt auf die Starttaste: «Die Lochkanone » setzt sich in Bewegung.
 

Neun Monate für acht Minuten.

Die Filmvorführung dauert acht Minuten. «Dreiviertel Jahre Arbeit », sagt Simon Oberli nüchtern. – Sie blieb nicht ohne Erfolg: An den Schweizer Jugend Film- und Videotagen hat er sich mit der «Lochkanone » den Spezialpreis geholt; an den Innerschweizer Filmtagen ist er dafür mitdem ersten Preis ausgezeichnet worden. Am nationalen Wettbewerb war er auch mit seinem zweiten Animationsfilm, «Toms Abenteuer », erfolgreich: Er belegte damit den dritten Rang in der Kategorie der 16- bis 18jährigen.

 
Simon Oberli deutet auf die Kulisse auf seinem Bett, und der Gast erinnert sich: Hier, vor diesen Kartonfassaden, hat sich das Filmgeschehen abgespielt. Oberli blättert in einem Ordner: Skizzen der Kulissen, der Darsteller, einzelner Szenen. Von Beginn weg klar war einzig die Grundidee: eine Kanone, die Löcher aus dem Käse zieht und damit schiesst. Die Geschichte, die Oberli um diese Idee entwickelte, veränderte sich während der Arbeit mehrmals. «Den Schluss schrieb ich dreimal um », sagt er. Die Hauptfigur der «Lochkanone » verrät deren Vorbilder oder Vorlagen. Simon Oberli mag «Wallace & Gromit ». In seinem Zimmer hängen mehrere Poster der beiden, und der Hauptdarsteller in seinem Film hat «Wallace »-Züge.

 
Nie einen Kurs besucht.

Den Einstieg ins «Filmbusiness » fand Simon Oberli über eine Videokamera, die er sich zur Konfirmation hatte schenken lassen. Einen Kurs hat er nie besucht. «Ich bin ein Bastler und Tüftler. » Er nimmt die Kanone in die Hand und erklärt deren Einzelteile: ein Tischtennisball, ein Tennisball, eine Filmdose, Teile eines Feueranzünders, einer Lampe. Sein nächstes Projekt? «Es fehlt die Idee », sagt Simon Oberli. – Eine überraschende Antwort für jemanden, der einem eben eine äusserst phantasievolle Arbeit vorgeführt hat. Regula Weik