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St.Galler Tagblatt – Der Nick Park von Rotmonten

23. 10. 1999

 

Die Animationsfilme des jungen St. Gallers Simon Oberli erinnern an Vorbilder wie «Wallace and Gromit » Der 19-jährige St. Galler Simon Oberli hat bereits vier Animationsfilme fertig gestellt, ein fünfter ist in Arbeit. Die witzigen Kurzfilme werden regelmässig mit Preisen bedacht. Die Ähnlichkeit ist frappant. Der Wecker klingelt, ein Knollennasentyp reibt sich die Augen und blickt in den leeren Kühlschrank: «Oh, kein Käse mehr! » Nein, es ist nicht der Held aus «Wallace and Gromit », dem englischen Animationsfilm mit Plastilinfiguren, sondern «Edgar » aus dem Kurzfilm «Die Lochkanone » von Simon Oberli, Jahrgang 1980, St. Galler, Absolvent des Vorkurses an der Schule für Gestaltung und seit kurzem angehender Schreiner. Der Rotmöntler hat sich in seiner Freizeit dem Animationsfilm verschrieben, seit er zur Konfirmation eine Videokamera erhalten hat. Den Vergleich mit dem «Wallace and Gromit »-Schöpfer Nick Park lässt er sich gerne gefallen. Mit dem Briten teilt er die Vorliebe für Plastilin, aber auch den Hang zu absurden Geschichten voller schwarzen Humors. In der «Lochkanone » beispielsweise erfasst die Kamera auf der Fahrt über die Dächer der Stadt beiläufig eine Katze, die zum letzten Mal miaut, weil sie von einem Ziegelstein getroffen wird.
 
Für jeden Film einen Preis

Schon sein erster Film war ausgezeichnet worden, und für die «Lochkanone » erhielt Oberli den Spezialpreis der Schweizer Jugendfilmtage und den ersten Preis Innerschweizer Filmtage. Dieses Jahr stellte er in Luzern zwei neue Filme vor, «Der Musiker » und «Die Boxer » – applaudiert wurde mit dem Iftus-Preis für Jungfilmer unter 20 und dem Publikumspreis. Wieder werden verschrobene Geschichten erzählt, im ersten Fall als klassischer Zeichentrickfilm (Zeichnungen auf Folien übereinander gelegt), im zweiten wieder mit Knetfiguren: Ein erfolgloser Gitarrist lässt sich mit dem Teufel ein, und der macht ihn (tot-)schlagartig berühmt, zwei Boxer gähnen, lesen Bücher und schiessen sich auf den Mond. Spürbar sind Experimentierlust und das Bedürfnis, eine eigene Richtung einzuschlagen. «Vorbilder sind gut », meint Oberli, «doch ich muss meinen eigenen Stil finden. » Der St. Galler schafft seine Filme mit Ausnahme der Musik in Eigenregie, er ist Designer von Figuren und Set, Drehbuchautor, Produzent, Kameramann und Regisseur in Personalunion. Der Trickfilm erlaubt ihm bei kleinstem Budget die grösstmögliche Freiheit. Wegen der komplizierten Dreharbeiten mit Darstellern ist der Spielfilm kein Thema. Lieber als Filme im Kino schaut Oberli am Fernsehen die «Making of »-Sendungen, die Tricks hinter den Kulissen. «Für diesen Film wurden keine Tiere gequält – und auch keine Computer », heisst es im Abspann. Bei seinem fünften Film (Arbeitstitel «Die Tür ») will Oberli zum ersten Mal mit Computer arbeiten – und dies auch nur für den Schnitt. «Ein heimlicher Protest », sagt er ironisch, «die Bilder sind mir ohnehin zu glatt. »
 
Im Dezember im KinoK

Dass er die Passion zum Beruf macht, glaubt er nicht. Als «Einzelkämpfer » ist er kaum vernetzt, weder regional ( «Hier gibt es keine Szene ») noch national, wo ihm als professioneller Animationsfilmer Jonas Räber ( «Grüezi ») Eindruck macht. Den nächsten Auftritt hat Oberli an der Ostschweizer Werkschau diesen Dezember im Kinok. Im St. Galler Programmkino ist sein Name seit der Werkschau 1997 gut in Erinnerung geblieben. Marcel Elsener