blut

St.Galler Tagblatt – Charmantes Blut

3. 5. 2011

 
Trickfilmer Simon Oberli realisierte für den Schweizer Blutspendedienst einen Lehrfilm über das menschliche Blut. Mit kurligen «Tierchen » visualisiert er auf amüsante Weise komplexe medizinische Vorgänge. Witzig und lehrreich.
Was ist eigentlich das Blut? Was der Unterschied von weissen und roten Blutkörperchen? Diese und weitere Fragen beantwortet der achtminütige Lehrfilm «Blut », den Simon Oberli im Auftrag des Blutspendedienst des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) herstellte. Es ist eine der schöneren Aufgaben, die der St. Galler Trickfilmer realisieren durfte, seit er sich vor gut zweieinhalb Jahren selbständig machte. Zwar gab es bereits einen solchen Trickfilm von 1982, der die Funktion, Aufgaben und Bestandteile des menschlichen Blutes erklärte. Den Film findet Oberli schön und er sei damals ausgezeichnet worden; aber er sei medizinisch überholt und filmisch etwas in die Jahre gekommen.
 
Viele Freiheiten gehabt
«Ich habe selber keine Ahnung von Medizin » gesteht der Animationskünstler ein. «Es gibt ziemlich viel Text, darum haben wir zuerst den Sprecher aufgenommen. Dann habe ich mit Storyboard-Entwürfen begonnen und plötzlich war mir klar, wie ich die Geschichte visualisieren kann.
Die roten Blutkörperchen sehen aus wie Seepferdchen mit Suppenkelle. Damit wird schön illustriert, wie die Blutkörperchen als Transporter von Sauerstoff und Kohlendioxid fungieren. Die weissen Blutkörperchen erinnern an kurlige Roboter und die Antikörper an «Pac-Man »-Figuren mit kleinen Flossen. Der kurzweilige Film vermittelt seine Informationen also mit liebevollem Charme und Bildwitz. Simon Oberli hatte bei der Umsetzung freie Hand, nachdem er einen fünf Sekunden kurzen Test präsentiert hatte. Ein halbes Jahr dauerte danach die Realisierung der Computeranimation. Oberli, der mit Stop-Motion-Puppenfilmen wie «Sigmund, Bonaparte » bekannt geworden ist, hatte sich dafür entschieden, hier mit Computeranimation zu arbeiten. Zwar sei der Aufwand dafür nicht weniger gross, dafür sei es einfacher, später Anpassungen zu machen, falls der Kunde sich etwas anders vorgestellt hat. Oberli, der auch die 15minütige Visualisierung des Bohl-Infofilms umsetzte, die in einem Marktstand beim Marktplatz zu sehen ist, arbeitet mittlerweile oft mit 3D-Animations-Programmen. Eine Auftragsarbeit wie der «Blut »-Film biete die Chance, die neuen technischen Möglichkeiten auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln. Dass sich die Technik rasant entwickelt illustriert er an einem Beispiel: «Die Szene mit den Blutbeuteln, die quasi in der Luft schweben, wäre am Anfang der Produktion noch wesentlich aufwendiger zu animieren gewesen. Dann gab es eine Software-Aktualisierung, was die Umsetzung vereinfachte. »
 
Demnächst im Museum
Simon Oberli konnte sein Hobby zum Beruf machen. Er geniesst das und die Freiheiten, die sich ihm damit eröffnen. Dass die eigene Kreativität dabei von den Vorstellungen der Kunden geleitet werden muss, macht ihm nichts aus. Zu vielfältig sind die Aufträge bislang, und noch überwiegt die Freude an den neuen Erfahrungen vor dem Gefühl, ein eigenes Herzens-Projekt dafür auf die lange Bank schieben zu müssen. Zwar würde es den St. Galler reizen, wieder einen eigenen Film zu realisieren. Aber vorläufig sollen die Aufträge anderer im Vordergrund stehen €“ und die können durchaus reizvoll sein. So konnte Oberli erste Erfahrungen mit Visual Effects im Realfilm machen, die er für das Début eines Zürcher Jungfilmers realisierte.
Der SRK-Lehrfilm, der im Oktober beim «Edi. » nominiert war, dem Wettbewerb der Schweizer Werbe- und Auftragsfilme, ist bei «Kurz & Knapp » auf der Leinwand zu sehen. Im Rahmen einer Ausstellung zur Medizingeschichte im Historischen und Völkerkundemuseum St. Gallen, die Ende Mai eröffnet wird, läuft der Film dann ebenfalls. Andreas Stock