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St.Galler Nachrichten – Gallus in fünf Minuten

3. 5. 2012

 

SIMON OBERLI aus St.Gallen hat einen Trickfilm über den heiligen Gallus gemacht. Gallus mal an Bauklötze erinnernd zu sehen? Kein Problem. In dieser etwas ungewöhnlicheren Statur ist er im neuen Trickfilm des St.Gallers Simon Oberli wiederzuerkennen. Gallus mal anders zumindest während fünf Minuten.

 

«Ich wusste gar nicht, dass Gallus auch richtig fies sein konnte », lacht Simon Oberli, der ohne Umschweife zugibt, dass sein Wissen über den Heiligen vor Beginn der Trickfilmarbeiten lückenhaft war. «Die Sache mit Bregenz, dem Exorzismus und dem Fürstentöchterchen » hätte er ja noch gewusst, aber die gesamte Geschichte sei ihm erst beim Sichten des Materials des Historischen und Völkerkundemuseums verinnerlicht worden. «Ich dachte, Gallus und der Bär hätten zusammen gewohnt. Aber dass er das Tier weggeschickt hatte, war mir neu. » Gelesen hatte Simon Oberli diesen Aspekt in einem Schriftsatz über das Leben Gallus €™, welcher ihm das Museum zugestellt hatte. Und das Museum war es dann auch, das im Zuge des Gallusjubiläums den Auftrag gab, einen Trickfilm zu machen. Eine nicht ganz einfache Aufgabe. «Ich wollte eigentlich diejenigen Facetten der Geschichte zeigen, welche man noch nicht bereits sattsam kennt », so Oberli. Ihm schwebte die Dämonenaustreibung vor. Problem nur: «Gallus hat, um dies zu schaffen, bloss gebetet. Dies in einem Trickfilm umzusetzen, wäre einfach zu unspektakulär gewesen. Leider. »

 

Eine Plattform auf dem Boden
Fünf Minuten dauert das fertige Werk, unterteilt in fünf Szenen. Das Besondere: Projiziert wird der Film auf eine Plattform am Boden durch diese vertikale Kameraeinstellung wirkt er schliesslich auch wie in 3D gemacht. Bei jedem Szenenwechsel scheint sich die Plattform zu drehen. Eine Idee aus der Schmiede Oberlis – wenn er auch gleich einräumt, dass genau jene drehenden Ãœbergänge äusserst zeitintensiv gewesen waren und viel Feinarbeit erforderten. Ob diese dann der Grund waren, dass Simon Oberli zwei Stunden vor der offiziellen Vorstellung des Films noch daran arbeitete? «Nein, nein. Ich nutze einfach die Zeit », winkt er ab. «Wenn ich eine Woche früher abgegeben hätte, würde ich mich nur grämen, dass ich dies und jenes nicht mehr hätte verbessern können. » Nun sei er aber mit seiner Arbeit zufrieden. Seine «grösste Angst » war gewesen, dass der Film auf der Plattform nicht ausreichend zur Geltung gekommen wäre. Doch diese Befürchtung habe sich nicht bestätigt. Auffallend an Oberlis Gallus ist dessen Form. Denn sein Grundkörper ist ein Zylinder. Ohnehin erinnert er beim Betrachten an Bauklötze. Die Antwort zu dieser ungewöhnlichen Optik ist auf der Lampe Oberlis zu finden. Darauf finden sich tatsächlich einige Bauklötze. Der St.Galler nimmt ein paar in die Hand und lächelt: «Ich liess mich ein wenig davon inspirieren. »
Hobby zum Beruf gemacht
Seit 1996 macht Simon Oberli Trickfilme. Begonnen hatte alles mit seinem Konfirmationsgeschenk einer Kamera. Diese stellte er dann zu Hause auf, bastelte Kulissen, liess ein paar «Knetmännchen », wie er sie selbst umschreibt, zum Leben erwecken und filmte sein erstes siebenminütiges Abenteuer mit Ausserirdischen. Ein Film, der bei den damaligen Schweizer Jugendfilmtagen den dritten Rang belegte und den Publikumspreis abräumte. Ein Ansporn für Simon Oberli. Er blieb seiner Leidenschaft, den Trickfilmen, treu, machte sich vor vier Jahren gar selbstständig. Mit Erfolg. Einziger Nachteil: «Jetzt, da ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe, muss ich mir eine neue Freizeitbeschäftigung suchen. »
Astrid Zysset